filmfernsehentheater

24. Januar 2011

ARD – Tatort v. 23.01.2011 – Heimatfront

Einsortiert unter: Maximilian Brückner,Tatort — Film - Fernsehen - Theater @ 00:16
Tags: , , , ,

In einer alten Brauerei wird die junge Studentin Victoria Schneider ermordet. Franz Kappl (Maximilian Brückner) und Stefan Deininger (Gregor Weber) eilen zum Tatort.  Anhand des Kalibers, das am Tatort gefunden wird und des Schusskanals  bei  der Toten, ist sofort klar, dass der Schuss aus großer Entfernung,  mit größter Präzision abgegeben worden sein muss und der Täter im Profimilieu von Jägern, Sportschützen oder Soldaten gesucht werden muss. Der Friedensaktivist Markus Schwarz (Robert Gwisdek), der die Polizei alarmiert hatte, erklärt den Ermittlern, dass Victoria Schneider an einem Film gegen den Einsatz in Afghanistan gedreht habe.  Bei der anschließenden Durchsuchung ihrer Wohnung tauchen Videos von Trauma Behandlungen von vier Soldaten, die aus dem Afghanistan Einsatz zurückgekommen sind und kurz vor ihrer Entlassung stehen, auf.  Kappl und Deininger konzentrieren ihre Ermittlungen auf die vier Soldaten. Zunächst vernehmen sie  Lars Leroux(Ludwig Trepte), der bei dem Einsatz ein Bein verloren hat und jetzt mit seiner Familie in Saarbrücken ein Café eröffnen will und Ingo Böcking, der an einem Tremor der Hand leidet, sich total zurückgezogen hat und mit gewaltbehafteten Computerspielen beschäftigt.  Danach gehen sie zu Hendrik Milbrandt(Martin Kiefer), der einen Waffenschein für ein, der Tatwaffe gleiches Modell besitzt. Er reagiert sofort äußerst aggressiv und die entsprechende Waffe ist auch verschwunden.  Der letzte der vier, der Oberfeldwebel und Truppenkommandant Philipp Weitershagen (Friedrich Mücke), ist laut seiner Psychologin  depressiv und suizidgefährdet. Alle vier bringen die Ermittlungen nicht weiter, da sie fast vollständig identische Antworten geben und eine fest verwurzelte Kameradschaft durchblicken lassen. Eine Aufklärung des Falles  ist nicht in Sicht, bis eine E-Mail von Schwarz an Victoria Schneider auftaucht, in der Differenzen bezüglich ihrer Gesinnung zur Bundeswehr und eine Drohung seitens Schwarz erkennbar sind. Kappl und Deininger fahren zu Schwarz und erfahren, dass Victoria Schneider ein Verhältnis mit Ingo Böcking hatte und kurz vor ihrem Tod wieder zu Schwarz zurückgekehrt war. In der Zwischenzeit flieht Ingo  Böcking zu seinem Kameraden Philipp. Als Kappl Und Deininger ihn dort verhaften wollen, schlägt Weitershagen  sie zu Boden und flieht mit Böcking. Sofort wird eine Großfahndung eingeleitet, jedoch erst Leroux verrät den Aufenthaltsort der beiden. Sie befinden sich in einer Hütte am Rande eines Solarfeldes. Kappl und  Deininger, der zuvor ein SEK alarmiert, gelingt es Böckinger zu stellen und der gesteht nun auch den Mord. Plötzlich eröffnet Weitershagen jedoch das Feuer und will mit Böcking wieder zurück nach Afghanistan zu einem Sicherheitsdienst fliehen. Die Ermittler und auch Böcking versuchen ihn zur Aufgabe zu überreden. In der Zwischenzeit geht das SEK in Stellung. Kappl versucht verzweifelt die Situation friedlich zu beenden, doch Weitershagen zielt auf ihn und will ihn erschießen.  Bei diesem Gespräch kommt auch zutage, dass sich die Soldaten  von der Öffentlichkeit und der  Regierung alleine gelassen und nicht respektiert fühlen.  Bevor Weitershagen abdrücken kann, schießt ein SEK –Mann den finalen Rettungsschuss und Weitershagen ist sofort tot.

Ein Krimi, der die Lage der Soldaten, die solche Afghanistaneinsätze durchführen, eindrucksvoll schildert. Ein gesunder und selbstbewusster Mann verlässt seine Familie und tritt seinen Dienst in Afghanistan an und zurück kommt ein gebrochener und oft auch invalider Mensch. Die beste Ausbildung, die die Truppe leistet, kann nicht auf ein reales Erleben  und den enormen psychischen Druck eines solchen Krieges vorbereiten. Kameraden, Zivilisten, ja sogar Kinder sterben auf grausamste Art und Weise und der Soldat muss zusehen und mit all dem Grauen und der ständigen Angst um das eigene Leben fertig werden. Kommen sie dann wieder zurück in die Friedlichkeit der Heimat, bleiben oft traumatische Erinnerungen zurück, die das Weiterleben erheblich erschweren.   Vielfach kommen sie auch lange Zeit nicht mehr zu Hause an. Genau wie die vier im Film wird weiterhin eine enge Kameradschaft  gepflegt und  der Ansprechpartner für Probleme ist nicht die Familie, sondern der Kamerad. Die Angehörigen empfinden die Rückkehrer als andere Menschen, extrem verschlossen und ablehnend.  Auch die fehlende Anerkennung der Taten durch unsere Gesellschaft, ist sicherlich ein erschwerender Punkt bei der Schicksalsbewältigung. Wie gerade im letzten Teil des Filmes deutlich wird, fühlen die Soldaten sich im Stich gelassen und ausgegrenzt. Es ist auch nicht zu erwarten, dass sich das in Zukunft ändern wird, denn immer noch haben die Afghanistan Einsätze viele Gegner in den Reihen der Bevölkerung.

Neben einem, sich großartig ergänzendem Ermittlerteam, einem  den jugendlichen Heißsporn mimenden Maximilian Brückner und dem etwas bedächtigeren, selbst mit psychologischen Problemen belasteten Kollegen spielenden Gregor Weber, ist auch ein überaus überzeugender Friedrich Mücke, der seine Rolle als Oberfeldwebel und Truppenkommandant brillant löst, erwähnenswert.  Mit  „rambohaftem, coolem“ Auftreten verleiht er der Zwiespältigkeit dieses Charakters, zwischen Trauma, endlicher Erlösung aus dem Grauen und gewaltsamer  Flucht aus einem perspektivlosen Alltagsleben zurück in den Krieg, Ausdruck. Ein Tatort, mit brisantem Inhalt, der sicherlich viel Diskussionsstoff bieten wird.

2 Kommentare »

  1. [...] Hintergrund: Tatort-Fundus, Saarländischer Rundfunk Meinungen: filmfernsehentheater, Tatort-News, Tittelbach.tv, [...]

    Pingback von Gebrochene Helden « Ansichten aus dem Millionendorf — 28. Januar 2011 @ 06:55 | Antwort

  2. Was so ein Wecshel in der Redaktion bewirken kann. “Hilflos” und “Heimatfront sind zwei hervorragende Tatorte. Dem Saarländischen Rundfunk gelingt es sehr gut, gesellschaftlich relevante Themen adäquat aufzuarbeiten. Große Sender wie der WDR oder NDR können sich eine Scheibe davon abschneiden.

    Kommentar von Stadtneurotiker — 2. Februar 2011 @ 14:01 | Antwort


RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Theme: Rubric. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.